Rezension: Secrets – Ich fühle

buch-cover-secrets-ich-fuehle„Ein guter, dystopischer Jugendroman: spannend und trotz kleiner Schwächen ein unterhaltsames Genre-Buch!“

(Jasmin, Testingbooks)

7,5 / 10 Punkte

Jugendroman/Dystopie, Autorin: Heather Anastasiu, Taschenbuch, 416 Seiten, Blanvalet Verlag, Erscheinungstermin: November 2014.

Inhalt

Wut, Enttäuschung, Schmerz – Gefühle drohten die Menschheit auszulöschen. Ein Chip befreit sie nun von ihren schädlichen Emotionen. Denn selbstständig zu fühlen ist einfach zu gefährlich. Das erfährt Zoe am eigenen Leib, als plötzlich eine Störung an ihrem Chip auftritt. Zum allerersten Mal entstehen in ihrem Kopf eigene Gedanken und unaufhaltsame Gefühle. Zoe muss dieses Geheimnis um jeden Preis bewahren; sollte es gelüftet werden, droht ihr die Auslöschung. Doch dann gerät ihr Chip derart außer Kontrolle, dass sie sich nicht länger verstecken kann und für ihr Leben und ihre Freiheit kämpfen muss.

Die dystopische Gesellschaft

Der Roman von Heather Anastasiu „Secrets – Ich fühle“ beginnt im Leben des Mädchens Zoel Q-24, welche die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt. Gleich zu Beginn lernt der Leser so die wesentlichen Merkmale der dystopischen Gesellschaft des Romans kennen: Die Menschen tragen Chips in Ihren Gehirnen und verschiedene technische Implantate, zum Beispiel an ihrem Herzen. Mit dieser Technik werden sie nicht nur rund um die Uhr überwacht, sie werden auch kontrolliert. Sobald den Menschen ein Chip eingesetzt ist, ist er mit allen anderen Menschen durch den Link verbunden und stumpft vollkommen ab. Menschen fühlen nicht, sie haben keine eigene Meinung. Sie arbeiten in und für die Gemeinschaft, ohne eigene Ziele und Motive, solange bis sie deaktiviert werden. Doch Zoel ist anders als diese Menschen, denn sie kann sich aus dem Link lösen und hat so die Möglichkeit selbstständig zu denken und zu fühlen.

Die Figuren

Gleich in dieser kurzen Beschreibung der dystopischen Gesellschaft wird eine der ersten Schwierigkeiten der Erzählung deutlich: Wie soll man die Wahrnehmung eines Menschen, in diesem Fall von Zoel, beschreiben, wenn dieser nichts bewusst wahrnimmt? Zunächst gelingt der Autorin diese Gratwanderung zwischen selbstbestimmter und kontrollierter Protagonistin recht gut, indem sie mit Farbwahrnehmung, Geräuschen etc. arbeitet. Doch bereits nach wenigen Seiten verschwimmt diese Wahrnehmung immer mehr und plötzlich kann Zoel, obwohl sie sich im Link befindet, trotzdem frei denken und ihre Situation bewerten. Hierdurch wird der Kontrast von Selbstbestimmung und Kontrolle zu unscharf und der Leser kann nicht wirklich mit der Protagonistin fühlen.

Natürlich bleibt Zoel nicht die einzige Figur des Romans, die sich aus dem Link befreien kann. In der Gemeinschaft gibt es noch weitere Teenager, die dies zustande bringen. Diese Teenager sind aber keine einfachen Menschen, sondern besitzen besondere Gaben. Maximin, Zoels Klassenkamerad, kann zum Beispiel jedem vorgaukeln er sei jemand anders. Diese Fähigkeit ermöglicht es ihm auch, die oberen Gesellschaftskreise, die außerhalb der Beeinflussung stehen, zu infiltrieren. Adrien, der bald zu Zoels engstem Vertrauten und ihrem Partner wird, kann in die Zukunft sehen. Mit diesen Fähigkeiten versuchen sie nun, sich gegen die Gesellschaft zu stellen und der ständigen Kontrolle zu entkommen.

Bewertung

Die biologischen und technischen Begründungen der Autorin sowie das Verhalten der Figuren ist meist nachvollziehbar und schlüssig. Leider ergeben sich aus den vielen wissenschaftlichen Details und aus dem Versuch, die Charaktere absolut gefühlsneutral bzw. unwissend darzustellen, einige Ungereimtheiten. So kann zum Beispiel Maximin, obwohl er nicht mit dem Link verbunden ist, eine Durchsage innerhalb des Links hören und Zoel warnen. Zoel spricht meist von Wasser in ihrem Gesicht, wenn sie weint, doch manchmal rutscht der Autorin auch der konkrete Begriff der „Tränen“ heraus. Diese und weitere Kleinigkeiten führen dazu, dass der Lesefluss hin und wieder ins Stocken gerät.

Die Handlung von „Sectrets – Ich fühle“ gestaltet sich insgesamt spannend und interessant. Der Leser taucht im Verlauf immer tiefer in die Geschichte ein und wird mit der unterirdischen Welt vertraut. Auch die Gefühle der Protagonistin vermögen den Leser häufig mitzureißen. Aufgrund der Schwächen und Unstimmigkeiten und der zuvor beschriebenen positiven Faktoren vergibt Testingbooks hier gute 7,5 von 10 Punkten.

Weitere InfosBuch-cover-override

  • Originaltitel: Glitch, Originalverlag: St. Martin’s Griffin, New York 2012, Übersetzerin: Katharina Woicke
  • Heather Anastasiu ist in Texas aufgewachsen und lebt heute mit ihrer Familie in Minneapolis. Die passionierte Leserin liebt nichts so sehr wie Bücher, abgesehen von ihren zahlreichen Tattoos und ihren pinken Haaren. Die dystopische Trilogie »Secrets« ist ihre erste selbstverfasste Romanserie.
  • Im englischen sind bereits beide Folge-Titel bekannt: Override und Shutdown

09.01.2015 © Jasmin

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