Rezension: Atlantia

buch-cover-atlantia„Auch in diesem Jugendroman erweist sich Ally Condie als Meisterin der leisen Töne: spannend, abgründig und fesselnd!“

(Jasmin, Testingbooks)

8,0 / 10 Punkte

Jugendroman/Fantasy, Autorin: Ally Condie, Hardcover mit Schutzumschlag, 416 Seiten, Fischer FJB, Erscheinungstermin: Februar 2015.

Inhalt

In einer Welt, die in Wasser- und Landbevölkerung aufgeteilt ist, werden die Zwillingsschwestern Rio und Bay durch einen Schicksalsschlag getrennt. Bay tritt ihre Reise zur Oberfläche an. Rio bleibt in Atlantia zurück. Um ihre Schwester wiederzusehen, muss sie herausfinden, warum Wasser und Land getrennt wurden und welche wunderbare und zugleich zerstörerische Gabe die Frauen der Familie verbindet.

Mit ihrem Jugendroman „Atlantia“ schlägt die Autorin Ally Condie gewohnt leise Töne an und versteht es den Leser durch ihren sanften und ruhigen Schreibstil in ihren Bann und den der Geschichte zu ziehen. In einer Unterwasserstadt, in der die Protagonistin Rio lebt, scheinen diese tiefen Töne zudem besonders passend.

Der Schauplatz des Fantasy-Romans

reading-atlantiaDie Unterwasserstadt Atlantia bildet den Hauptort der Handlung. Diese geheimnisvolle Stadt in den Tiefen des Meeres wurde einst von Menschenhand erschaffen, um die Erdbevölkerung vor der Luftverpestung und den Naturkatastrophen im Oben zu schützen. Damals durften einige ausgewählte Menschen die Oberfläche verlassen und geschützt unter der Wasseroberfläche weiterleben. So wurde das Überleben der Menschheit gesichert.

Diese glorreichen Zeiten sind zu Beginn von Rios Geschichte lange vorbei. Atlantia verfällt. Die Figuren aus Metall und auch die künstlichen Bäume verfallen und benötigen tägliche Reparaturarbeiten. An den Häusern bröckelt der Putz und wer genau hinsieht erkennt, Atlantia hat seine besten Zeiten bereits hinter sich.

Allie Condie erschafft hier ein einzigartig schaurig-schönes Szenario. Die Entwicklung der Stadt ist im Fluss, der Konflikt zwischen Schönheit und Verfall sehr sorgfältig ausgearbeitet.

Die Oberfläche hingegen wird weniger detailliert beschrieben. Allerdings hält sich die Protagonistin dort auch nicht lange genug auf, um eine eingehendere Beschreibung zu rechtfertigen. Dennoch erinnert die Hektik, die im Oben aufkommt, ein wenig an eine Großstadt. Die dämpfende Wirkung des Wassers wird also auch hier treffend herausgearbeitet im Kontrast zur lauten Oberfläche.

Die Figuren

Die Sirene Rio wächst zusammen mit ihrer menschlichen Zwillingsschwester in Atlantia auf. Dieses Schwesternpaar bildet den Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und steht im Fokus der Handlung. Aus Rios Perspektive erfährt der Leser zunächst einiges über die Unterwasserstadt Atlantia, ihre Bewohner, ihren Glauben und ihre familiäre Vorgeschichte. Diese ist vom frühen Tod beider Eltern geprägt, den die beiden Mädchen nur schwer verkraften. Einzig ihre unheimliche Tante Maire ist ihnen geblieben, der Rio aber aus tiefstem Herzen misstraut.

Rios sehnlichster Wunsch ist es, Atlantia zu verlassen und das Oben zu sehen. Doch nach dem Tod ihrer Mutter muss sie Bay versprechen, bei ihr in Atlantia zu bleiben. Umso schockierender ist schließlich Bays Entscheidung für sie. Bay geht nach Oben… und Rio bleibt zurück. Durch diese Handlung wird die Beziehung der beiden Schwestern und deren Beschreibung im Roman deutlich. Sie werden von der Autorin nicht wie eine Person behandelt, sondern unterscheiden sich maßgeblich. Haben verschiedene Meinungen und Motive.

Eben jene Motive fesseln nun auch den Leser, denn es stellt sich die Frage: Warum hat Bay ihre Schwester allein gelassen? Hat sie Rio wirklich hintergangen?

Sanft tastet sich die Autorin an diese Themen heran und deckt nach und nach die Beweggründe der einzelnen Figuren auf. Hierbei bleibt die Protagonistin stets authentisch und ihre Gedanken nachvollziehbar. Durch ihren Schreibstil, der häufig in Beschreibungen von Orten und Gefühlsregungen ausufert verstärkt Ally Condie die Spannung des Romans und fesselt den Leser an das Geschehen.

Die Nebenfiguren der Handlung, die sich rund um Rio gruppieren sind ziemlich unterschiedlich charakterisiert. Einige wirken leider absolut stereotyp, wie z.B. der Hohepriester Nevio. Andere hingegen sind tiefgründiger ausgearbeitet und bieten dem Leser unterschiedliche Facetten einer nicht ganz flachen Persönlichkeit. Hierzu zählen die Figuren von Bay, True und Maire. Leider ist die Namenswahl der Charaktere auch nicht immer gut gelungen. Dass der Junge True Lügner entlarven kann ist durch seinen Namen beinahe überdeutlich dargestellt. Der Wink mit dem Zaunpfahl wirkt leider ein wenig lächerlich.

Die Handlung

Zunächst scheint sich der Roman „Atlantia“ hauptsächlich um das Leben der Protagonistin Rio und ihre Wünsche zu drehen. Rio möchte an die Oberfläche und als ihre Schwester Bay an ihrer Stelle nach oben geht, wünscht sich Rio nichts mehr als ihr zu folgen. Die emotionalen Motive der Figur machen in diesem Teil die Spannung des Fantasy-Romans aus.

Erst etwas später treten Rios Fähigkeiten als Sirene hervor und werden zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Plötzlich handelt es sich nicht mehr einfach nur um einen Gefühlsroman, sondern auch um ein gesellschaftliches Thema. Hinter dem Verfall Atlantias, der Kontrolle der Nymphen durch den Staat und das Leben der Menschen im Oben und Unten steckt eine Verschwörung, eine Veränderung und politische Machtkämpfe, die es zu entschlüsseln gilt.

Bewertung

Die Gesellschaft von Atlantia und die komplexen politischen und gesellschaftlichen Beziehungen Oben wiederum sind sehr gut und interessant dargestellt. Besonders faszinierend ist, dass es kein absolut gutes oder böses Volk gibt. Zu Beginn der Geschichtsschreibung des Romans waren die Menschen unter Wasser die Privilegierten weil sie dem Schmutz und der verpesteten Luft, der harten Arbeit im Oben, entkommen waren und das Überleben der Menschheit sicherten. Dies ändert sich jedoch im Verlauf der Zeit… wie die Handlung des Romans aufdecken wird.

Fantastisches Element der Erzählung ist die Darstellung der Sirenen. Im Unten, in Atlantia, hat sich eine besonders entwickelte Art von Menschen gebildet. Die Sirenen, die mit ihren Stimmen die Gefühle der Menschen und deren Handlung beeinflussen können. Auch hier wird eine sehr wechselseitige Beziehung durch Ally Condie beschrieben. Von Verehrung über Anbetung bis hin zu Angst und Hass lösen die Sirenen die unterschiedlichsten Gefühle bei den Menschen im Oben und Unten aus. Auch hier gilt: die Beschreibung bleibt nicht rein oberflächlich.

Insgesamt ist „Atlantia“ ein typischer Ally Condie Jugendroman, der ihren Fans sicherlich gefallen wird. Aufgrund kleinerer Schwächen erhält das Jugendbuch daher 8,0 von 10 Punkten.

Weitere Infos

  • Übersetzerin: Stefanie Schäfer
  • Ally Condie ist die Autorin der erfolgreichen Trilogie über die Liebe zwischen Cassia&Ky. Mit „Die Auswahl“, „Die Flucht“ und „Die Ankunft“ erlangte sie internationale Bekanntheit.
  • Eine interessante Playlist zu dem Jugendbuch findet Ihr auf Ally Condies Internetseite

13.04.2015 © Jasmin

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