Rezension: Niemand liebt November

buch-cover-niemand-liebt-november„Ein düsterer Jugendroman voller Träume und Ängste – erneut schafft es die Autorin mit ihrer Sprache wunderschön-abstoßende Bilder entstehen zu lassen.“

(Jasmin, Testingbooks)

9,0 / 10 Punkte

Jugendroman, Autorin: Antonia Michaelis, Hardcover mit Schutzumschlag, ab 16 Jahre, 448 Seiten, Oetinger Verlag, Erscheinungstermin: August 2014.

Inhalt

Kurz vor Ambers sechstem Geburtstag verschwanden ihre Eltern auf unerklärliche Weise. Jetzt ist Amber, die eigentlich November heißt, 17 Jahre alt und glaubt, eine Spur zu haben. Doch was hat es mit dem Jungen auf sich, der in dem erleuchteten Zelt ein Buch liest, sich aber in Luft auflöst, sobald sie sich ihm nähert? Welche Ziele verfolgt der Kneipenwirt, zu dem sie sich immer stärker hingezogen fühlt, und der immer für sie da zu sein scheint? Steckt er vielleicht sogar hinter den anonymen Drohungen, die sie erhält? Amber muss sich entscheiden: zwischen ihrer zerstörerischen Vergangenheit und dem Aufbruch in die Zukunft.

Die Hauptfigur November

November, von allen nur Amber genannt, wurde an ihrem sechsten Geburtstag von ihren Eltern verlassen und hat nun niemanden mehr. Außer einer Katze, die lediglich Katze heißt und mit der das Mädchen so manche Unterhaltung führt. Nach einigen Pflegeheimen und Pflegefamilien beschließt November abzuhauen und ihre Eltern zu suchen. Fortan beginnt sie ein Leben auf der Straße, ein Leben zwischen den Zeilen.

November ist hierbei eine sehr authentische und spannende Figur, die sich nicht selten in einem Zwiespalt befindet und gegen widerstreitende Gefühle kämpft. Einsamkeit und Wut bestimmen ihr Leben und aufgrund des einfühlsamen Schreibstils der Autorin spürt der Leser beinahe selbst wie es ist, völlig allein zu sein: Nicht vermisst zu werden, von niemandem gebraucht und ständig auf der Suche.

Die Hauptfigur verzweifelt aber keinesfalls an ihrer Situation und auch ihrer Wut gibt sie nicht nach. Stattdessen baut sie sich ein Gerüst aus Träumen und Illusionen, das sie durch das harte Leben trägt. Ob nun mit Erinnerungen an ihre Eltern, den Gesprächen mit ihrer Katze oder ihrem Freund aus dem rot-gelben Zelt – November weiß sich vor der harten Realität zu schützen. Hier ist es für den Leser manchmal schwierig Vorstellung und reale Handlung voneinander zu trennen, was einen besonderen Reiz ausmacht. Nur so kann die unglaubliche Spannung der Geschichte entstehen.

Die Handlung des Jugendromans

November sucht nicht nur ihre Eltern, sie wird auch noch verfolgt. Ein unbekannter schreibt ihr schreckliche Drohbriefe, in denen er ihr Leben beendet. Beinahe bis zum Ende weiß der Leser nicht, welche Figur sich hinter diesen Briefen verbirgt: Ist es der nette Barmann aus dem Bottled in dem November arbeitet? Ist es ein heimlicher Stalker? Einer ihrer Kunden? Oder ist es gar November selbst?

Schließlich besitzt November zwei Persönlichkeiten. Da ist die starke und unabhängige Lucy, die weiß was sie will und mit den Männern flirten kann und da ist November, die manchmal zur Katze wird um die schrecklichen Ereignisse aus der Entfernung zu betrachten. Hier entsteht ein sehr komplexer und tiefgründiger Charakter, der fesselt und fasziniert. In Lucy wird auch deutlich, warum diese Geschichte eine Altersempfehlung ab 16 Jahren erhält: Lucys Männergeschichten lesen sich teilweise überraschend detailreich und beinhalten auch Ausflüge in die Welt der sexuellen Gewaltfantasien.

Bewertung

Auch in diesem Roman spielt das Leben auf der Straße eine wichtige Rolle. Die Menschen zwischen den Zeilen scheinen auf die Autorin eine gewisse Faszination auszuüben. Leider erscheinen manche Textstellen daher auch bekannt, besonders wenn man zuvor „Nashville – Das Wolfsspiel“ von Antonia Michaelis gelesen hat. Im Vergleich kann „Niemand liebt November“ an Spannung leider nicht mithalten, dafür trumpft diese Geschichte aber mit großen Gefühlen auf. Selten erlebt man beim Lesen so eindrucksvoll wie Einsamkeit, Angst und Schmerz sich anfühlen können!

Mit dem elternlosen Mädchen November entführt Antonia Michaelis ihre Leser mit „Niemand liebt November“ in eine traurige, graue und kalte Welt der Einsamkeit und Ängste. Aber auch Träume finden in diesem recht düsteren Jugendroman ihren Platz und erneut schafft es die Autorin mit ihrer Sprache wunderschön-abstoßende Bilder entstehen zu lassen.

Daher vergibt Testingbooks für diesen tragischen, gefühlvollen Roman 9,0 von 10 Punkte.

Weitere Infos

Antonia Michaelis studierte Medizin und begann parallel dazu, Geschichten für Kinder und Jugendliche schreiben. Seit einigen Jahren lebt sie nun als freie Schriftstellerin in der Nähe der Insel Usedom und hat zahlreiche Kinder und Jugendbücher veröffentlicht

27.11.2014 © Jasmin

3 Gedanken zu “Rezension: Niemand liebt November

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