Rezension: Kann ich ein Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck – Als Schulsekretärin pausenlos im Einsatz

Buch-Cover-Kann-ich-ein-pflaster-fuer-mein-handy-haben-frau-steinbeck„Leichte, lustige und authentische Unterhaltungslektüre – für alle die den deutschen Schulalltag etwas näher kennen lernen und belächeln wollen.“

(Jasmin, Testingbooks)

6,0 / 10 Punkte

Roman, Autorin: Frau Steinbeck, Taschenbuch, 336 Seiten, FISCHER Taschenbuch Verlag, Erscheinungstermin: April 2015.

Inhalt

Schulsekretariat, Montagmorgen, 8:03 Uhr

›Ich glaube, ich bin krank‹

›Warum glaubst du das?‹

›Die Mama hat’s gesagt.‹

›Und warum bist du dann hier?‹

›Ich soll erstmal warten, ob es schlimmer wird‹, antwortet Pietro aus der 2c und kratzt sich verlegen am Kopf.

›Was genau hast du denn?‹

›Kann ich nicht so laut sagen.‹

Niedlich. Ich streiche dem Kleinen über den Schopf und beuge mich zu ihm runter: ›Komm, du kannst es mir auch ins Ohr flüstern. Ich sag’s auch niemandem, außer dem Doktor vielleicht.‹

Pietro fasst sich ein Herz. Er kommt ganz nah an mein Ohr. ›Läuse, Frau Steinbeck. Vielleicht habe ich Läuse. Ist das schlimm?‹, haucht er.

Handys konfiszieren, Platzwunden flicken, Schulschwänzer stellen, Läuse bekämpfen und Vertretungslehrer aus dem Bett klingeln – zwischen Schulhof und Lehrerzimmer ist Frau Steinbeck pausenlos im Einsatz.

Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule – Der Schauplatz des Romans

Mit einer Gesamtschule hat der Autor unter dem Synonym „Frau Steinbeck“ hier den perfekten Handlungsort gefunden. Nicht nur, dass hier multikulturelle Probleme und eine sehr unterschiedlich gebildete Schülerschaft aufeinandertreffen, der Anschluss einer Grundschule sorgt zudem für extrem niedliche aber auch tragische Situationen. Als typische Schule spiegelt die Geschwister-Scholl-Gesamtschule scheinbar den regulären Ablauf des Schulalltags aus der erfrischend unparteiischen Perspektive der Sekretärin.

Frau Steinbeck – Hauptfigur und Erzählstimme

Die Protagonistin der Erzählung Frau Steinbeck berichtet aus der Ich-Perspektive wie sie selbst den Schulalltag empfindet und welchen Problemen sie sich in ihrem täglichen Tagesablauf stellen muss. Als Sekretärin wirkt sie dabei erfrischend neutral und berichtet nicht über pädagogische Themen oder Lehrmethoden. Diese recht kritischen und oft heiß diskutierten Elemente fehlen der Geschichte zum Glück völlig. Stattdessen berichtet sie von den kleinen und großen Widrigkeiten, die eine Sekretärin im Schulalltag erwarten. Die anstrengende Chefin, die Vergabe von Pflastern, Tampons, Kühlpacks etc. sowie die Kommunikation mit Kollegen nehmen den größten Raum des Romans ein.

Negativ an der Hauptfigur ist lediglich, dass sie etwas sehr teenagerhaft über ihre Beziehung bzw. ihren neuen Schwarm, den sexy Sportlehrer May, schreibt. Hier ähnelt sie, trotz ihrer sonst sehr reifen und erwachsenen Attitüde, sehr den 26-jährigen Teenie-Müttern, die in diesem Buch auch ihren Platz haben.

Die kleinen Abenteuer des Schulalltags

Ob verstopfte Toiletten, verschimmelte Lebensmittel im Lehrerkühlschrank oder das Besorgen von Duftbäumen für die Direktorin – die kleinen Abenteuer und ärgernisse von Frau Steinbeck scheinen direkt aus dem Leben gegriffen und dadurch absolut authentisch. Nicht selten fließt auch die Jugendsprache in die Handlung ein, wie „Kann ich Pflaster“ oder andere grammatikalisch verkürzte Satzkatastrophen.

Hinter all dem Witz steck aber auch eine kleine Mahnung an den Leser. Denn so oder so ähnlich geht es tatsächlich an den Schulen zu. Da gibt es Kinder, die von ihren jungen Müttern nicht in die Schule gefahren werden, weil diese die Nacht durchgetanzt haben. Da kommen Kinder ohne Pausenbrot oder Essensmarken, da wird gekifft, geraucht und gepöbelt. Auch wenn alles in lustige Anekdoten verpackt ist, zeigt sich doch ein recht klares Bild der heutigen Gesamtschule.

Bewertung

Besonders positiv fällt die Namensgebung der einzelnen Kinder und Figuren auf. Da gibt es Dirk-Keanu, Chanell oder Britney-Charlene auf Seiten der Teenager und Kinder, aber auch Frau Hildebrandt-Fricke und weitere spannende Doppelnamen-Kombinationen auf der Lehrerseite. Hier werden nach Herzenslust Klischees bedient und das macht wirklich Spaß!

Abgesehen von der teilweise recht albernen Darstellung der Protagonistin, wenn es zum Beispiel um ihre Schwärmereien für Sportlehrer, Sanitäter und andere männliche Figuren geht, ist die Hauptfigur recht gut getroffen und absolut symphatisch. Vor allem ihre Entwicklung innerhalb der Geschichte wirkt authentisch. Zunächst findet sie die Schule furchtbar und wird nur durch gelegentliche Erlebnisse an einer Kündigung gehindert. Nach und nach wachsen ihr aber die Kinder und Kollegen ans Herz und sie integriert sich perfekt in den Schulalltag.

Insgesamt bietet „Kann ich Pflaster für mein Handy haben, Frau Steinbeck“ leichte, lustige Unterhaltung. Das Buch ist unkompliziert zu lesen, der Sprachstil angenehm flapsig und gerne auch mal umgangssprachlich und vermittelt dem Leser das Gefühl, die Geschichte werde durch einen guten Bekannten erzählt. Daher vergebe ich für diese angenehme Lektüre mit wenig Tiefgang 6,0 von 10 Punkte. Da der Fischer Taschenbuch Verlag das Buch für Liebhaber des Films „Fack ju Göthe“ empfiehlt sei hier noch angemerkt: ein wenig Witz fehlt hier im Vergleich zum Film schon… dennoch ein lesenswerter Roman von Frau Steinbeck.

Weitere Infos

Dieses Buch beruht auf wahren Geschichten, die Sekretärinnen aus ganz Deutschland dem Autoren Maryanto Fischer erzählt haben. Geschichten über Lehrer, Rektoren, Schulamtsmitarbeiter, Hausmeister, Eltern und natürlich über Schüler

25.05.2015 © Jasmin Gad


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