Rezension: Julischatten

 

Buch Cover Julischatten von Antje Babendererde„Eine spannende Geschichte, sehr einfühlsam und interessant erzählt.“

(Jasmin, Testingbooks)

9,5 / 10 Punkte

Jugendroman, Autorin: Antje Babendererde, Hardcover, ab 14 Jahren, 480 Seiten, Arena Verlag, Erscheinungstermin: Januar 2012.

Inhalt

Sim heißt eigentlich Simona und will um jeden Preis auffallen: Nach einer Alkoholvergiftung an ihrem sechzehnten Geburtstag wird Sie zur Ausnüchterung zu ihrer Tante nach Amerika geschickt. Genauer gesagt in das Reservat Pine Ridge, in dem Alkoholkonsum unter Strafe steht und Sim endlich ihr Leben in den Griff bekommen soll. Was so schön und sinnvoll klingt stellt sich im Verlauf der Handlung schnell als löchrige Fassade heraus. Denn Alkohol und sogar Drogen spielen im Leben der Reservatbewohner eine tragende Rolle.

Dennoch ändert sich etwas Entscheidendes für Sim. Sie lernt die beiden unzertrennlichen Freunde Jimi und Lukas kennen, die sie auf unterschiedliche Art beeindrucken. Der blinde Lukas zeigt ihr eine ganz neue Sicht auf die Welt und auf sich selbst, während der gutaussehende Jimi in ihr ungeahnte Gefühle weckt.

Doch als die Ereignisse sich überschlagen muss Sim erkennen, dass sie sich für einen der beiden Jungen entscheiden muss. Für Lukas oder für Jimi.

Der Schauplatz des Romans

Die Handlung des Romans spielt sich in dem Reservat Pine Ridge in den USA ab, welches die Autorin sehr eindrücklich beschreibt. Gleich zu Beginn bekommt der Leser so eine genaue Vorstellung von der Tristesse, der Ödnis die das Reservat und dessen Landschaft bestimmt. Antje Babendererde eröffnet hier den Blick auf eine völlig neue Welt, die absurd wirkt in unserer modernen und von Technik geprägten Zeit. Die Gegensätze von Tradition und Fortschritt spiegeln sich hier wieder.

Zudem werden geschichtliche Themen aufgegriffen. Der Leser lernt viel über die Beziehung der Ureinwohner zu dem „weißen Mann“, über die Hintergründe des Alkoholkonsums und nicht zuletzt über das Leben in einem Reservat.

Hier wird eine traurige, von Hoffnungslosigkeit gezeichnete Welt dargestellt, die genauso in der heutigen Zeit existiert und den Blick auf Probleme lenkt, die sonst nur allzu gerne verdrängt werden.

Die Figuren

Die Protagonisten der Geschichte sind sehr vielschichtig und abwechslungsreich dargestellt. Sim, eigentlich Simona, ist der rebellische Teenager, der in seinem Inneren tief verletzt wurde und daher versucht sich in den Alkohol zu flüchten. Gleichzeitig verbirgt sie hinter ihrem kunterbunten Auftreten einige Komplexe, die sie während der Erzählung langsam hervorholt und aufarbeitet.

Der starke Indianer Jimi, der die Rolle des Macho-Helden und Bad-Boys annimmt verbirgt hinter seinem selbstbewussten Auftreten die Angst verlassen zu werden und den Wunsch, das hoffnungslose Leben im Reservat endlich hinter sich zu lassen. Hierfür lässt er sich sogar auf illegale Geschäfte ein, die in eine Abwärtspirale ziehen und langsam auf eine Katastrophe zusteuern lassen.

Mit dem blinden Lukas Brave ist die Dreiecks-Konstellation des Jugendromans schließlich komplett. Er nimmt die Rolle des verständnisvollen und traditionsgebundenen Jungen ein, der sich trotz seines Handicaps am Leben erfreut und dessen Wunsch es ist, die Situation der Indianer im Reservat zu verbessern.

Die Handlung

Innerhalb des Romans „Julischatten“ geht es zum einen um eine Liebesgeschichte zwischen den Teenagern und zum anderen um die Konflikte, die sich aus Kulturunterschiedenen, den Gegensätzen Traditionen und Fortschritt sowie dem Leben im Reservat ergeben. Die Handlung dreht sich um all diese Themen und schneidet zudem auch noch andere Probleme an, die allerdings mehr am Rand behandelt werden.

Generell fokussiert sich die Geschichte auf Sim, auf ihr Leben und ihre Gefühle. Der Leser begleitet sie auf ihren Erlebnissen im Reservat und erlebt die Liebesgeschichte zwischen ihr und Jimi sowie Lukas hautnah mit. Letztendlich geht es nicht nur um die Rettung der Hauptfigur, sondern auch um die der Nebenrollen und um die Suche nach einem Ausweg.

Bewertung

Mit „Julischatten“ verfasst Antje Babendererde einen emotionalen und authentischen Jugendroman, der hinter die Kulissen blickt und zum Nachdenken anregt. Alkohol und Drogenprobleme, die Beziehung der Ureinwohner und des „weißen Mannes“ sowie die Liebe zwischen den Protagonisten bilden die zentralen Elemente der Geschichte und ziehen den Leser gleich zu Beginn in ihren Bann.

Aus den vorangegangenen Beschreibungen wird zum einen deutlich, dass die Autorin sich sehr viel Mühe bei der Ausarbeitung ihrer Charaktere gegeben hat und diese durchaus durchdacht sind. Leider entbehren diese nicht den üblichen Klischees: Dreiecksbeziehung, Good-Boy versus Bad-Boy, häßliches Entlein, welches für die beiden zum schönen Schwan wird. Also alles in allem nichts Außergewöhnliches, jedoch ist die Kombination der Figuren gut gelungen und die interessante Handlung um die Liebesgeschichte herum gleicht diese Defizite etwas aus.

Innerhalb des Romans geht es, wie bereits erwähnt, nicht nur um eine Liebesgeschichte zwischen unterschiedlichen Teenagern, sondern auch um die Konflikte der indianischen Bevölkerung mit den „weißen Besetzern“. Die Situation der jugendlichen Indianer steht hierbei natürlich im Fokus und wird als äußerst hoffnungslos und schwierig skizziert. Armut, das Vergessen der eigenen Traditionen, Zukunftsangst, Drogenkonsum und weitere Themen rücken hier in den Fokus. Dem Leser wird ein umfassendes Bild der Situation geliefert und so langsam wird deutlich, dass den Indianern viel mehr als nur ihr Land genommen wurde.

Das Zusammentreffen der verschiedenen Kulturen wird ebenfalls thematisiert. Hier ergeben sich interessante Situationen zwischen den Figuren, die den Leser fesseln, verwirren und belustigen können und definitiv einen Mehrwert des Jugendromans ausmachen.

Trotz der umfassenden Darstellung der Probleme im Reservat bietet Antje Babendererde keine Lösungsvorschläge und Möglichkeiten. Die Situation der jungen Indianer ist aussichtslos und am Ende der Geschichte ist es doch wieder eine Weiße, die dem verzweifelten Ureinwohner eine Chance bietet. Hier wäre es schön gewesen, etwas Hoffnung auf Selbstrettung zu finden bzw. eine Anregung, wie den Menschen zukünftig geholfen werden könnte.

Alles in allem handelt es sich bei „Julischatten“ um eine spannende Geschichte, die Antje Babendererde sehr einfühlsam und interessant erzählt. Weil das Thema so faszinierend ist und das Gesamtbild authentisch vergibt die Redaktion von buch-test.info hier 9,5 von 10 Punkte.

Weitere InfosBuch Cover Isegrim Antje Babendererde

  • Seit ihrer ersten Reise in die USA im Jahr 1994 hat Antje Babendererde Romane über das heutige Leben der amerikanischen Ureinwohner für Erwachsene und für Jugendliche geschrieben. Insgesamt entstanden bisher 15 Indianerbücher.
  • Derzeit ist die Autorin schriftstellerisch zu ihren Wurzeln zurück gekehrt und schreibt nun auch Romane, die in ihrer Heimat Thüringen spielen (z.B. Isegrim)
  • Die Band „Medusa’s Child“ gibt es natürlich auch! (Falls ihr die Songs von Sim mal nachhören wollt)

09.04.2015 (C) Jasmin

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2 Gedanken zu “Rezension: Julischatten

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