Rezension: Die Auslese – Nichts vergessen und nie vergeben

Buch-Cover-die-auslese-nichts-vergessen-und-nie-vergeben„Fesselnder zweiter Teil einer dystopischen Trilogie.“

(Jasmin, Testingbooks)

8,5 / 10 Punkte

Jugendroman/Dystopie, Autorin: Joelle Charbonneau, Hardcover mit Schutzumschlag, 416 Seiten, Penghaligon Verlag, Erscheinungstermin: Januar 2015.

Inhalt

Cia Vale ist gemeinsam mit ihrem Freund Tomas an der Akademie von Tosu City aufgenommen worden. Und obwohl die Regierung ihnen ein Medikament verabreicht hat, das alle Erinnerungen an das brutale Auswahlverfahren der »Auslese« löschen soll, hat Cia nichts vergessen – weder die schrecklichen Todesfälle noch ihre Liebe zu Tomas.
Ab sofort kennt sie nur noch ein Ziel: die »Auslese« zu beenden, indem sie dafür sorgt, dass die ganze Welt die grausame Wahrheit erfährt. Doch damit bringt Cia nicht nur sich selbst, sondern auch alle, die sie liebt, in größte Gefahr…

Buch-Cover-die-auslese-nur-die-besten-ueberlebenACHTUNG Fortsetzung: Mit dem dytopischen Jugendroman „Die Auslese – Nichts vergessen und nie vergeben“ gelingt der Autorin Joelle Charbonneau eine spannende Fortsetzung, deren fesselnde Geschichte nicht die Aktion in den Mittelpunkt stellt, sondern politische Machenschaften und Intrigen. Ohne Vorkenntnisse des ersten Teils der Romanreihe (erschienen 2013) ist der Einstieg in die Geschichte möglicherweise etwas schwierig. Trotz des etwas komplizierteren Anfangs zieht die Geschichte den Leser sofort in ihren Bann und der Vorteil an einer gewissen Unwissenheit liegt definitiv darin, dass der Leser hier genauso wenig weiß wie die Protagonistin und somit richtig mit fiebern kann. Dieses Einfühlen bleibt dem Leser des ersten Bandes womöglich verwehrt, weil er die Vorgeschichte kennt und somit mehr weißt als die Hauptfigur, die ihre Erinnerung fast komplett verloren hat. Fazit hier also: Ob der erste Teil gelesen wird, muss jeder selbst entscheiden. Ich habe den ersten Band nicht gelesen und fand diesen zweiten Band dennoch (oder gerade deswegen) unglaublich spannend!

Der Schauplatz des dystopischen Romans

Aktionsort des Romans ist zunächst die Universität. Hier werden Cia und ihre Mitstudenten den verschiedenen Studiengängen zugeteilt und erleben die Initiationswoche. Die Universität an sich, Cias neues zu Hause, erscheint als ein düsterer Ort, der zwar viel Komfort bietet. Aber auch Abgrenzung ist hier ein Thema, da die verschiedenen Fachrichtungen an unterschiedlichen Orten gelehrt werden.

Weitere wichtige Schauplätze bilden Regierungsgebäude und die unmittelbare Umgebung. Wichtig ist hierbei, dass es sich um eine Dystopie handelt: Staaten wurden ausgelöscht, die Natur verseucht durch chemische Waffen und außerhalb der bewohnten Grenzen bietet sich ein Bild der Zerstörung. Die Zeichnung dieser Atmosphäre gelingt der Autorin sehr gut und sie erschafft ein wirklich interessante Welt nach dem Krieg, die sie dem Leser beinahe bildlich vor Augen führt.

Die Figuren

Die Protagonistin Malencia Vale, genannt Cia, tritt in dieser Erzählung gleich zu Beginn den Einstufungstest für die Universität an. Doch nicht nur ihre ungewisse Zukunft macht ihr Sorgen, auch eine geheime Botschaft, die sich selbst zugesendet hat bevor sie alles über die Auslese vergessen hat, lässt sie an dem bestehenden System der Gesellschaft zweifeln. Cia, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, ist eine authentische und charakterstarke Protagonistin, die sich innerhalb der Handlung ständig weiterentwickelt und immer neuen Rätseln stellt.

Trotz dieser starken Hauptfigur wirken die anderen Charaktere nicht farblos, sondern tragen alle ihre Geheimnisse und Besonderheiten. Ob nun der schweigsame Enzo, der verliebte Tomas oder der finstere Antagonist des Jugendromans Dr. Barnes. Der Leser hat die Möglichkeit durch Cias Gedanken jeden dieser Charaktere nachzuvollziehen und Beobachtungen anzustellen. Nicht zuletzt aus diesen Figurenkonstellationen, Feindbildern und Freunden entsteht ein Großteil der Spannung von „Die Auslese – Nichts vergessen und nie vergeben“. Wem Cia tatsächlich vertrauen kann und wer sich am Ende als Verräter erweist bleibt bis zum Schluss offen.

Die Handlung

Die dystopische Gesellschaft des Romans zeichnet ein düsteres Bild von Verwüstung und Krieg. Nachdem alle alten Staaten ausgelöscht wurden, die Erde verseucht und nur noch Zerstörung übrig ist erheben sich die Menschen nun erneut und versuchen eine neue Regierung aufzubauen. Eine Regierung die die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt. Dabei gehen einige buchstäblich über Leichen, um die besten Führungskräfte zu finden und um störende Faktoren aus dem Weg zu räumen. Natürlich bleibt dieses Vorgehen nicht unentdeckt und schnell finden sich die ersten Rebellen, die sich gegen dieses grausame System stellen.

Im Kampf gegen das grausame Regime, gegen die Auslese und auf der Suche nach ihrer Erinnerung trägt die Figur Cia die Handlung hauptsächlich voran. Hierbei sind die Probleme, denen sie sich stellen muss, eher philosophischer Natur und weniger actionreich als in anderen dystopischen Romanen. Cia muss Aufgaben lösen, lernen unterzutauchen und sich anzupassen obwohl sie von all den schlimmen Dingen weiß, die das Ausleseverfahren bedeuten.

Die Handlung bekommt aufgrund der verschiedenen Initiationsrituale der Studenten aber auch einige Actionsequenzen, die den Leser fesseln und die Spannung der Geschichte erhöhen.

Bewertung

Mit der Protagonistin Cia ist Joelle Charboneau eine sehr tiefgehende und spannende Charakterdarstellung gelungen. Die Hauptfigur des Romans sorgt für eine große Bindung an die Geschichte und vermag es den Leser in Atem zu halten.

Fesselnd und nachvollziehbar beschreibt die Autorin zudem das gesellschaftliche System, die Motive der einzelnen Akteure sowie politische und wirtschaftliche Strukturen. Mit „Die Auslese – Nichts vergessen und nie Vergeben“ ist eine toller Fortsetzungsroman gelungen, der den Leser zu fesseln vermag und nicht nur an der Oberfläche einzelner Themen kratzt. Aufgrund des etwas schwierigen Einstiegs und der hin und wieder sprachlich nicht einwandfreien Formulierungen erhält diese Dystopie 8,5 von 10 Punkten. Hoffentlich dauert die nächste Fortsetzung nicht wieder zwei Jahre!

Weitere Infos

  • Originaltitel: Independent Study (Book II), Originalverlag: Houghton Mifflin Books, Boston 2014
  • Übersetzung aus dem Amerikanischen von Marianne Schmidt
  • Der dritte Teil der „Auslese“-Reihe wird vermutlich Anfang 2016 erscheinen

10.02.2015 © Jasmin

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