Rezension: Das Lied der Freiheit

buch-cover-das-lied-der-freiheit„Interessanter historischer Roman über Freiheit, Verfolgung und Sklaverei mit vielen geschichtlichen Details – leider kommt der Unterhaltungswert hin und wieder zu kurz.“

(Jasmin, Testingbooks)

6,5 / 10 Punkte

Historischer Roman, Autor: Ildefonso Falcones, Übersetzerin: Stefanie Karg, Hardcover mit Schutzumschlag, 752 Seiten, C. Bertelsmann Verlag, Erscheinungstermin: Oktober 2014.

Inhalt

Sevilla 1748: Die freigelassene Sklavin Caridad findet, mittellos in einer ihr fremden Welt, Zuflucht bei der Zigeunerfamilie Vega. Hier freundet sie sich mit der jungen, schönen Sängerin Milagros an und gewinnt die Liebe von Melchor, dem stolzen Oberhaupt der Familie. Milagros verliebt sich fatalerweise in Pedro, dessen Familie schon seit langem mit den Vegas verfeindet ist. Ihr von Schicksalsschlägen gezeichneter Lebensweg führt sie vom sonnenverbrannten Andalusien in die prunkvolle Königsresidenz Madrid – hier wird die großartige Flamencotänzerin zur »barfüßigen Königin«.

Nach dem viel gelesenen Roman „Die Kathedrale des Meeres“ erscheint mit „Das Lied der Freiheit“ ein weiterer historischer Roman von Ildefonso Falcones. Gleich zu Beginn des neues Romans wird allerdings eines deutlich: es handelt sich um keine leichte Lektüre, die man zur reinen Unterhaltung so „nebenher“ lesen kann. Die Geschichte sowie ihre Schauplätze fordern Konzentration und Vorstellungsvermögen. Gleichzeitig wird deutlich, dass dieser Roman von einer anderen Übersetzerin ins Deutsche übertragen wurde. Die Übersetzung zeichnet sich durch lange, häufig verschachtelte Sätze aus die sich leider hin und wieder auf den Lesefluss auswirken.

Die Handlung

Die Handlung des historischen Romans beginnt im Leben der schwarzen Sklavenfrau Caridad, die sich plötzlich herrenlos und frei im Sevillia um 1748 wieder findet. Der Einstieg in die Geschichte fällt hier etwas schwer, da der Leser zwar durch das schreckliche Schicksal der Frau berührt wird, sich aber kein konkreter Handlungsstrang abzeichnet. Zunächst erscheint dies durchaus positiv und authentisch, da die Sklavin mit ihrer neuen Freiheit nichts anfangen kann. Jedoch zieht sich dieses nicht-zielgerichtete Schreiben des Autors noch lange hin. Auch als Caridad auf die anderen Hauptfiguren der Geschichte trifft, verändert sich diese Ziellosigkeit zunächst nicht.

Im Fokus der Erzählung stehen die Schicksale der Protagonisten: des Zigeuners Melchor Vega, seiner Tochter Ana und seiner Enkelin Milagros sowie natürlich Caridad. Diese Figuren sind durch Freundschaft und familiäre Bande verbunden und bilden das Zentrum der Handlung. Alle Protagonisten wirken dabei sehr realistisch und wie es bei Ildefonso Falcones üblich ist, erfährt der Leser viel mehr als nur die Gefühlsregungen der einzelnen Figuren. Zusätzlich vermittelt der Autor einiges über den Stolz und das Leben der Zigeuner, über Ausgrenzung und Wertschätzung sowie über die allgemeine Stimmung in Spanien.

Besonders positiv fällt in diesem Zusammenhang auf, dass der Autor keine direkte Bewertung der einzelnen Lebensstile vornimmt. Weder beschreibt er die Zigeuner als grundlegend schlecht, noch sind es die Payos (mit diesem Begriff wird die weiße spanische Bevölkerung bezeichnet). In diesen beiden Lagern gibt es gute und böse Menschen, die der Leser in der Handlung einschätzen muss und nicht in schwarz-weiß Schubladen sortieren kann. Einzig die Sklavin Caridad scheint während der Geschichte keiner Gruppierung richtig zugehörig. Sie ist keine richtige Zigeunerin und keine Payo und die Leute, die ihr helfen sollten, verstoßen sie. Somit ist die Geschichte das „Lied der Freiheit“ doch eher die Geschichte einer Sklavin, als die der Zigeuner.

Am Ende der Geschichte, die geprägt ist von Verfolgung, Ausgrenzung und Diskriminierung von Minderheiten, wird die Handlung dann auch endlich spannend. Denn nach und nach, trotz der verschachtelten Sprachwahl, der ausufernden Beschreibungen und komplizierten Verwicklungen geschichtlicher und fiktiver Ereignisse, beginnt der Leser sich in die Schicksale der Figuren einzufinden. Das Finale des Romans bietet alles, was für einen gelungenen Abschluss benötigt wird: Liebe, Vergebung, Rache, Wiedersehen.

Bewertung

Hauptthema von „Das Lied der Freiheit“ ist wie der Titel bereits vermuten lässt die Musik. Ob in den Tänzen und Klagegesängen der Zigeuner, im monotonen Singsang der Sklavin Caridad oder in den Theatern Madrids – Musik ist vorherrschendes Element und beansprucht die Vorstellungskraft des Lesers zusätzlich. Ob dies als positiv oder negativ zu werten ist bleibt hierbei jedem selbst überlassen.

Abschließend ist zu sagen, dass Ildefonso Falcones mit „Das Lied der Freiheit“ einen interessanten historischen Roman über das Leben der Zigeuner und die Freiheit hervor gebracht hat. Leider fehlen der Geschichte hin und wieder die spannenden Wendungen und durch sprachliche Mängel kann die Erzählung nicht wirklich Tempo entwickeln. Für Leser, die von einem Buch mehr erwarten als nur Unterhaltung scheint „Das Lied der Freiheit“ gut geeignet, während der Leser auf der Suche nach Unterhaltung nur bedingt fündig wird. Aufgrund dieser Bewertung erhält „Das Lied der Freiheit“ 6,5 von 10 Punkte.

Weitere Infos

  • Originaltitel: La reina descalza
  • Originalverlag: Grijalbo (Random House Mondadori), Barcelona 2013
  • Aus dem Spanischen von Stefanie Karg

31.12.2014 © Jasmin

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