Rezension: Das Buch der Königin

buch-cover-das-buch-der-koenigin„Detail- und inhaltsreiche Aneinanderreihung historischer Fakten, die erst zum Ende hin die Form eines spannenden und gefühlvollen Romans annimmt.“

(Jasmin, Testingbooks)

7,5 / 10 Punkte

Historischer Roman, Autorin: Sabine Weigand, Hardcover mit Schutzumschlag, 464 Seiten, Fischer Krüger, Erscheinungstermin: Juni 2014.

Inhalt

Es ist die berühmteste Geburtsszene des Mittelalters: Konstanze, Frau des deutschen Kaisers Heinrich VI., vierzigjährig, als unfruchtbar verschrien, hochschwanger. Um jeden Preis muss sie die Legitimität ihres Kindes sicherstellen. Und so bringt sie ihren Sohn öffentlich, auf dem Marktplatz von Jesi, zur Welt. Die Nachwelt kennt sie als Mutter des Stauferkaisers Friedrich II. Aber welcher Weg liegt wirklich hinter Konstanze von Sizilien? Wem gehört ihre Treue: ihrer Heimat Sizilien oder ihrem Mann, dessen Grausamkeit sie entsetzt?

Der historische Roman „Das Buch der Königin“ beginnt im Leben unterschiedlicher historischer Persönlichkeiten an unterschiedlichen Orten Europas. Zunächst berichtet die Autorin relativ unzusammenhängend über das Leben der einzelnen Protagonisten, die nicht nur räumlich sehr weit voneinander entfernt sind. Dies ist der Grund dafür, dass die Handlung zu Beginn nicht richtig an Fahrt aufnehmen kann. Die Verkettung der einzelnen regionalen Ereignisse in Sizilien und unterschiedlichen Regionen Deutschland gelingt der Autorin hier leider nicht und der Leser fragt sich hin und wieder, ob es nicht doch einfacher wäre zu einem Geschichtsbuch zu greifen.

Die Figuren – Historische Größen

Die Hauptfiguren des Romans werden von den historisch belegten Persönlichkeiten Heinrich VI, Gottfried von Streitberg und Konstanze von Sizilien gebildet. Ihre Leben stehen zum Anfang bereits im Mittelpunkt der Erzählung, bieten aber unterschiedliches Spannungspotential:

Die bereits erwähnte Aneinanderreihung geschichtlicher Fakten wird zunächst nur durch die tragische und spannende Geschichte des Gottfried von Streitberg aufgebrochen, der als Knabe um sein rechtmäßiges Erbe gebracht und als Mörder verfolgt wird. Hier gelingt es der Autorin Sabine Weigand authentische Emotionen aufzubauen, was ihr bei den anderen beiden Figuren leider misslingt. Diese beschreibt sie nüchtern und anhand von Fakten, womöglich weil es zu diesen Figuren auch mehr dokumentierte Anhaltspunkte gab?

In jedem Fall lesen sich die ersten hundert Seiten des Romans etwas zäh und der Leser benötigt einiges Durchhaltevermögen. Doch es lohnt sich: Zur Mitte des Buchs hin werden endlich auch Konstanzes Motive für den Leser durchsichtig und nicht mehr durch Klischees von Macht und Erbrecht geprägt. Langsam entwickelt sich die weibliche Hauptfigur zu einer spannenden Persönlichkeit, die den Leser in den Bann zieht. Ebenso geschieht es mit ihrem männlichen Gegenpart, dem Kaiser.

Die Beziehung der beiden kaiserlichen Eheleute ist durch Streit, Missbilligung und Missverständnisse geprägt. Während Heinrich VI in seiner Grausamkeit kaum zu bremsen ist, wünscht sich Konstanze den Frieden und die Rückkehr in ihre Heimat. Gleichzeitig will sie Ihre Pflicht als Kaiserin erfüllen und ihrem ungeliebten Mann einen Nachkommen schenken. Die Figuren erhalten nun die nötigen Facetten, die den Roman und dessen Handlung von einem Geschichtsbuch unterscheiden und zu einem authentischen Geschehen führen.

Der Titel „Das Buch der Königin“ wird ebenfalls erst im weiteren Verlauf der Handlung deutlich, wenn Gottfried von Streitberg auf die Kaiserin trifft und ihr Verbündeter wird. Wie sich hier herausstellt ist der Titel gut und passend gewählt, vor allem weil das Buch noch eine besonders schicksalhafte Rolle spielt.

Bewertung

Der historische Roman von Sabine Weigand, der das Leben der Königin Konstanze von Sizilien beschreibt, orientiert sich an unterschiedlichen Dokumenten. Diese wurden von der Autorin eingesehen und zur Erstellung des Plots herangezogen. Hierbei bemerkt die Autorin, dass gerade in den frühen Lebensjahren der Königin kaum Belege vorliegen. Dies erscheint verwunderlich, denn der Roman ähnelt gerade zu Anfang sehr stark einer geschichtlichen Chronik und nimmt erst später romanhafte Züge an. Ein kleines Techtelmechtel der Kaiserin, sowie Liebschaften der anderen Figuren dürfen hierbei nicht fehlen. Diese bleiben allerdings dem historischen Geschehen meist untergeordnet und wirken in vielen Fällen äußerst Klischeehaft. Viel tiefsinniger ist die Beziehung der Königin zu Kaiser Heinrich gestaltet, so dass die Geschichte an stärke gewinnt.

Alles in allem bietet der Roman spannende Unterhaltung, angefüllt mit historischen Motiven die faszinieren, zu Beginn aber auch abschrecken können. Daher bewertet Testingbooks den historischen Roman „Das Buch der Königin“ mit guten 7,5 von 10 Punkten.

Weitere Infos

Sabine Weigand ist promovierte Historikerin und arbeitete als Ausstellungsplanerin für Museen. Historische Originaldokumente sind der Ausgangspunkt vieler ihrer Romane, wie z. B. in „Das Buch der Königin“ das Schicksal der deutschen Kaiserin Konstanze.

01.07.2014 © Jasmin

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